Idylle der Hyänen - Hörbuch nach einem Krimi von Friedrich Ani (5CDs)
Beschreibung:
Kriminalhauptkommissar Polonius Fischer, der nach neun Jahren Suche nach Gott, die er in einem Kloster als Mönch verbracht hatte, zur Polizei zurückgekehrt ist und inzwischen seit 14 Jahren im Kommissariat für vorsätzliche Tötungs- und Todesfolgendelikte und gefährliche Körperverletzung mit der Schusswaffe tätig ist, ist fast zwei Meter groß und sein herausstechendstes Merkmal ist eine riesige Nase, die den Vergleich mit einer Geiernase nicht scheuen muss. Von seinen Kollegen wird der einundfünfzigjährige nur P-F genannt. Er ist bekannt für seine ruhige Art und weil er eine recht hohe Aufklärungsrate verzeichnen kann, wurde ihm im Präsidium in der Münchner Burgstraße ein eigenes Verhörzimmer, das P-F zur Verfügung gestellt. Doch P-F besteht darauf, dass er keine Verhöre, sondern Gespräche führt.
Seit nunmehr dreizehn Jahren ist er fest mit der ehemaligen Journalistin Ann-Kristin Seliger liiert. Diese hat er bei einem Interview, das sie mit dem bei der Polizei beschäftigten, ehemaligen Mönch geführt hat. Danach hinterfragte sie ihren Job und gab ihn schließlich auf, um Taxifahrerin zu werden. Ann-Kristin ist für Fischer ein sehr wichtiger Teil seines Lebens, denn er kann mit seiner Freundin über all die Dinge reden, mit denen er im Laufe seines Berufslebens zu tun hat.
Soviel erstmal zur Figur Polonius Fischer.
Im vorliegenden Fall wird P-F in eine Tiefgarage gerufen, wo eine tote Frau in einem Schrank, der dort abgestellt ist, gefunden wurde. Wie immer, stellt sich der Kommissar zuerst ganz ruhig an den Tatort und lässt diesen auf sich wirken. Wenig später erfährt er, dass es sich bei der Toten um eine junge Mutter handelt, die stranguliert wurde, wobei man sich anfangs nicht sicher ist, ob es sich dabei um einen gewaltsamen Tod oder Suizid handelt. Striemen an den Handgelenken, die von einem Seil stammen, bringen jedoch Gewissheit, dass die junge Frau ermordet wurde.
Von ihrer Tochter fehlt jede Spur. Als der Vater befragt wird, der allerdings seit Jahren nichts mit seiner Exfreundin und ihrer gemeinsamen Tochter zu tun hatte, stellt sich heraus, dass dieser einfach nichts mit Kindern anfangen kann und dass ihm ihr Verschwinden relativ egal ist.
Das übrige Umfeld der Toten kann nicht viel über das vermisste Mädchen sagen. Sie war wohl nicht oft draußen, hatte keinen Kontakt mit anderen Kindern und war auch in der Schule eher unauffällig. Die Mutter arbeitete in einem Kaufhaus, wohin sie das Kind immer wieder mitnahm. Dort konnte sie dann alleine ihre Hausaufgaben machen. Im Laufe der Zeit zeichnet sich das Bild einer dem Mädchen gegenüber emotionslosen und kalten Welt ab.
Die Spur führt P-F in ein asiatisches Restaurant. Die Besitzerin will die Ermordete in Begleitung eines Mannes gesehen haben. Doch mehr kann sie leider nicht sagen.
Polonius Fischer und sein elf köpfiges Ermittlerteam, auch "Die zwölf Apostel" genannt, müssen immer tiefer graben. Behutsam aber stetig nähern sie sich der Lösung des Falles, aus dem am Ende zwei werden...
Rezension:
Zuallererst, Friedrich Anis Schreibstil ist sicherlich nicht jedermanns Sache. Und wer einen reißerischen Krimi mit vielen Leichen erwartet, ist bei diesem Autor, der nüchtern bis philosophisch schreibt, sicherlich an der falschen Adresse. Wer aber einen bodenständigen Krimi hören möchte, der auch noch in bester deutscher Sprache geschrieben und durch Jürgen Uter hervorrangend vorgetragen wird, liegt mit "Idylle der Hyänen" goldrichtig. Ani ist bekennender Katholik und lässt dadurch die Figur Polonius Fischer, den ehemaligen Benediktinermönch, sehr plastisch und vor allem realistisch wirken. Immer wieder zitiert dieser Psalme oder unterstreicht die wichtige Rolle, die sein Glaube auch nach dem Austritt aus dem Kloster für ihn hat. Der Autor spielt gekonnt mit der Psyche seiner Figuren. Er hat sich ganz offensichtlich viele Gedanken darüber gemacht, wie sich die Charaktere in verschiedenen Situationen fühlen und verhalten könnten. Und dies brachte er überaus glaubwürdig zu Blatt.
Jürgen Uter, Schauspieler, Sprecher, Bühnenautor und Regisseur, trägt diesen ruhigen, äußerst anspruchsvollen Krimi absolut gekonnt vor. Obwohl er Schwabe ist - geboren in Stuttgart - erhalten manche Charaktere von ihm einen leichten bayerischen Akzent, was sehr zum Realismus beiträgt. Schließlich spielt der Krimi in München. Uter ist also die optimale Wahl für diesen und auch weitere P-F Krimis, die ich auch noch rezensieren werde.
Weitere Ani-Rezensionen:
Hinter blinden Fenstern
Totsein verjährt nicht
Fazit:
Krimi muss nicht immer reißerisch und actiongeladen sein. Gerade die etwas ruhigere Gangart macht "Idylle der Hyänen" zu etwas ganz Besonderem. Insofern kann ich dieses Hörbuch gerade anspruchsvolleren Krimifans wärmstens empfehlen. |